Audioguide, Audiowalk – was ist denn da der Unterschied?

Gestern stellte mir jemand die Frage: „Was ist denn ein Audiowalk?“

Der Begriff Audioguide ist bekannt und etabliert. Eine Führung durch etwas (z.B. eine Stadt oder ein Museum), die einem über Audio, also zum Hören, Informationen zu dem vermittelt, was man gerade sieht. Auf sachliche Art. Vielleicht hat Audioguide sogar ein leicht angestaubtes Image – man stellt sich reifere Leute mit ausgeliehenen Geräten und schwarzen Kopfhörern vor, die konzentriert im Museum vor Bildern stehen und mit einem interessierten Gesichtsausdruck dem Sprecher lauschen, ab und zu wissend nickend. Ich persönlich verbinde mit dem Audioguide ein wenig Langeweile und für mein junges Bedürfnis viel zu lange Absätze, in denen ein Fakt nach dem anderen folgt – unmerkbar.

Der Begriff Audiowalk mag vielleicht etwas jünger sein, in seiner ursprünglichen Bedeutung benennt er eine Klangerfahrung eines Geländes oder einer Landschaft, in Wikipedia mehr oder weniger definiert mit:

Audiowalk, Soundwalk oder Landschaftskomposition nennt man ein akusmatisches Prinzip zur Wahrnehmung des auralen atmosphärischen Gehalts einer Landschaft. Bei dieser Landschaft kann es sich sowohl um einen urbanen als auch um einen agrikulturellen oder anderweitig erfassbaren und vor allem aural wahrnehmbaren Raum handeln.

Ohne auf die Details eines akusmatischen Prinzips eingehen zu wollen, kann man sehen, dass der Audioguide und der Audiowalk aus zwei grundsätzlich unterschiedlichen Motivationen kommen: der Guide vermittelt, der Walk lässt erfahren. Der eine führt, der andere lässt erkunden. Der eine erklärt, was wie war und weshalb so kreiert wurde, der andere überlässt dem Individuum seine eigene Interpretation durch die eigene Wahrnehmung.

Ich denke, dass die beiden auf dem besten Weg sind ineinander zu verschmelzen – so wie alles seiner Trennung aufgehoben wird. Allein bei Nachrichten stelle ich mir oft die Frage, ob das Relevante an ihnen die Information oder aber die Unterhaltung ist. „Die Information!“, höre ich schon als Aufschrei, aber ist Zeitung lesen am Sonntag kein Zeitvertreib?

Zumindest bei dem Audioguide kann ich einer Bereicherung aus dem Audiowalk feststellen: aus dem angestaubten Guide wird ein lockerer Kumpel, der einem auch mal in salopper Sprache ein paar Infos vermittelt – einfach so, zum informativen Zeitvertreib. „Ich hatte Spaß und habe etwas erfahren.“ Da würde das Wort „erfahren“ endlich mal seiner Bedeutung gerecht.

Für mich münden die beiden im Storytelling. Was getrennt wurde, kommt wieder zusammen. Wissensvermittlung verpackt als Geschichte – so wie es früher die Indianer gemacht haben, um ihren Schülern die Welt nahe zu bringen. Also nicht wirklich neu, aber auf neuen Medien neu transportiert.

Links zum Thema
Was ist eigentlich das neumodische Wort Storytelling? – Alles andere als neu zumindest.

Jeder hat eine Geschichte zu erzählen.

Wer’s gleich mal lernen will, kann es in der Schreibwerkstatt tun.

Oder sogar einen Kurs in der Berliner Journalistenschule buchen.

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